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Das zweite Mal trafen wir uns dann in den USA, Kalifornien. Sie war auf ein Podium eingeladen, mit Steve Bannon, das sie öffentlichkeitswirksam platzen ließ, ein Coup, typisch. Ich war zur Gegenseite unterwegs, ein Interview mit einem Schüler der liberalen Ikone Bettina Aptheker. Er hatte dann doch nicht Zeit für mich. Und so saßen wir viel eher als erwartet in einem dieser kultiviert schlichten Cafés, in dem junge, unfassbar schöne Menschen unfassbar idealistischen Macchiato unfassbar europäisch zubereiten. Wir wurden uns einig, ich würde die ganze Zeit für sie arbeiten, meine Zeit, umsonst, eineGelegenheit, politisch gesehen, endlich konnte ich wieder mal das Wort „umwegrentabel“ in den Mund nehmen. Das nächste Mal würden wir schon uns in Berlin sehen und die Bewegung aus der Taufe zu heben. Ihre ominöse Bewegung. Unsere Bewegung, wir machen es gemeinsam, du und ich und all die andern. Was, wollte ich noch wissen, wolltest du von Bannon, verdammt noch mal? Ihre Verabredung in Los Angeles war übrigens Milo Yiannopoulos. Was willst du von diesen Leuten, die direkt auf die Schwachen losgehen? Da marschieren die Rechten auf, um die Liberalen vor sich her zu treiben und den freien Geist, und hier in Berkeley hören sie Kayne West statt Joan Baez. Sie fordern die Freiheit der Rede für ihre Lügen. Sie sah mich lange an. Ich will lernen, wie man keine Rücksicht nimmt. Dann ließ sie es sich nicht nehmen zu bezahlen, mit dem Smartphone, was deplatziert wirkte in dem Lokal und doch wieder nicht. Ein Feind, rief ich ihr hinterher, den man zu Grabe trägt, ist nicht schwer. Das ist es, dein Zynismus, drum müssen wir miteinander arbeiten.