5

Beim Abendessen in dem kleinen griechischen Lokal gleich bei uns um die Ecke besprachen wir den Niedergang jener einst kleinen populistischen Partei, die die politische Agenda zuletzt fast allein bestimmt hatte. Bis die Bewegung am Horizont auftauchte. Eine nüchterne Analyse bei Lamm und Wein, so aufmunternd wie lehrreich, die Geschichte einer allzu logischen Radikalisierung in Richtung Aus und Vorbei, erst eine, dann wieder eine Abspaltung, und jedesmal waren die Kühnsten von den Geistern, die sie riefen, kühn überrannt worden, von radikalen Kräften, die sie sich dienstbar machen wollten und die sie hinwegfegten mit so viel mehr Radikalität. Die Reaktion frisst ihre Kinder. Eine schöne Variation, schön dialektisch, meinte ich, doch sollte ich nicht wieder theoretisieren. Also begann ich noch einmal von vorn. Erst hat es den Gründer der Protestpartei erwischt, weil er denen, die nach ihm kamen, einfach nicht mehr Protest genug war nach einer wüsten Weile, bis andere kamen, die noch mal mehr Protest wollten und so viel radikaler sein und gründlicher, bis wieder welche kamen, die wirklich radikal träumten, ich meine ernsthaft. Auch eine Form von Bewegung, über alle Ränder hinaus. Übern rechten Rand – gut, dass wir so links sind. Aber sind wir nicht so links, dass es schon wieder rechts ist? Das fragte ich nach dem dritten oder vierten Ouzo. Egal: Auf den Untergang des Hässlichen, das nicht an der Schönheit der Welt zugrunde ging, sondern an sich selbst. Prost. Ja.