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I trap you, summte sie, auf der Fahrt durch die Stadt zu dem kleinen Verlag, der ihr Manifest herausbrachte, WIR SIND ERST DER ANFANG DER BEWEGUNG. I trap you hatte ich ihr aufgespielt, Kate Tempest im Verein mit Rick Rubin, der Legende, ich hörte Fetzen aus ihren Kopfhörern, den müde wütenden Sprechgesang, I trap you, nein, wir vertrauten nichts und niemandem als der Liebe zu den Dingen, die wir adressierten, als wären wir siebzehn, nicht schon so viel länger unterwegs. Ich bewegte mich einer Schnecke gleich auf den letalen Renteneintritt zu, während sie auch schon über vierzig war. Kate Tempest sprechsang uns in einen Zustand, den ich von Drogen kannte, so aufregend wie betäubend. Ich war stocknüchtern, ich saß am Steuer, die Finger klammschwer von der Verantwortung für die Hoffnungsträgerin, gegen die die Rechte jetzt immer lauter agitierte, wie Hugo Chavez oder Melanchon in Frankreich, wie Lenin, einst. Das kam von dem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen damals: Was tun? Das war eine Ewigkeit her, etliche Jahre. I trap you. Ich musste an die alten Freunde denken, die schlecht von mir sprachen, doch hatte ich nie wirkliche Freunde, nur Leberwürste, Rachengel, Anspruchsteller, Neider, die mir nichts neiden konnten, weil da eigentlich nichts war. Jetzt aber hatten sie einen Grund – die Schönheit der Bewegung.