Tautokratie

Das Impeachment, sagen Trumps Verteidiger, ist Produkt eines „ungültigen Verfahrens“, ein „eindeutig politischer Akt“, der „jedem Prinzip von Fairness“ widerspreche, „eine gefährliche Attacke“ auf das amerikanische Volk. Es ist diese Umkehrung der Energien, die immer wieder verblüfft. Ein Kurzschluss. Nicht Trump soll im Unrecht sein, sondern die ihn des Rechtsbruchs bezichtigen. Nicht er beleidigt alle Welt, die Welt beleidigt ihn. In Davos hielt er eine Wahlkampfrede für daheim, USA great again, wie der Angeber auf dem Schulhof, eine Beleidigung für alle, die gekommen waren um über die Zukunft zu reden, schließlich ging er offen Greta Thunberg an. Fuck you Greta, kleben junge Männer im Allgäu auf ihre tiefer gelegten Volkswagen. Der hochrote Trotzkopf ist die Figur der Stunde, der gereckte Mittelfinger sein geiles Zeichen, der hässliche Präpotentat als hübscher Widerständler und edler Anarchist. Letzlich sagen sie alle immer nur dasselbe: Wir sind da, wir wollen alle Macht von euch, jetzt sofort, und uns für gar nichts rechtfertigen, wie einst der absolutistische König. Wir wollen Dinge sagen, wollen zugehört werden, wollen Köpfe rollen sehen und uns wieder lebendig fühlen. In diesem Sinn führt die AfD hierzulande ihren Kulturkampf gegen den „linksgrünen Mainstream“, weil es eh klar ist, in diesem Sinn sagt Trump, wie groß er ist, weil er so toll groß ist. Das eine immerzu mit demselben belegend. Immer nur. Der Trick liegt im wilden Trotz, hinter dem sich so viele zusammenfinden, um sich selbst (und ihre Ohnmacht) zu betrauern.