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Er hieß Olivier, wollte aber, dass ich ihn Olli nannte wie alle hier. Hier, die MOVE, der innerste Kern der Organisation – wie einst die Kampa bei der SPD. Anfangs war er der Einzige, auf den ich, ein wenig, eifersüchtig war. Er war viel jünger als ich, zu hübsch um wahr zu sein, und so smart, dass ich ihn erst nicht ernst nehmen wollte. Genau das war es aber, was ihn offenbar ausmachte – er war smart und radikal, nett anzusehen und irgendwie widerwärtig, in Worten, im Benehmen, wenn es drauf ankam. Und in der MOVE kam es oft drauf an. Weißt du, sagte er am ersten Tag zu mir, Politik ist kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, keine Deckenstickerei, es ist Kampf, und ich sag dir, warum sie dich haben wollte, genau dich: Sie wollte einen, der wirklich übel ist, anerkannt übel, der bei uns eigentlich nicht geht. Verstehst du. Du wirst der Kratzer sein in ihrem Image, die Staubschicht auf ihrem Glanz, eine Provokation. Ich verstand ihn, ja, legte eine Hand an seine Wange, das irritierte ihn. Und du bist die Seife. Er nickte, es war gut. Sie ist noch das Quantum zu gut um glaubhaft zu sein, in der Krise, zu beliebt um wirklich geliebt zu werden, wenn es drauf ankommt. Ihr braucht jemanden, der die Leute zwingt sich zu entscheiden, weil sie ihn nicht leiden konnten. Er nickte, und meine Hand nickte mit. Du bist der Kontrapunkt, das Ärgernis, der Abschaum, mit dem wir uns befassen müssen, Realität, Stachel in ihrer Bio, die noch zu makellos ist, das Rätsek im Team, also benimm dich so. Sie wollten meine Energie. Meinen Hass. Meine Wut. Auf alles. Das hatte etwas, durchaus. Und was bist du? Ich bin der absolute Diener, der hier alles am Laufen hält, auch dich, wenn du dabei bist. Du bist ein Idiot, ein smarter Idiot. Sagen viele, wenn’s dir hilft. Er war nicht halb so alt wie ich, er war ekelhaft, er war charmant, ich mochte ihn.