weg

Die Tür ist immer offen – sagen Vorgesetzte, die sich zugänglich geben, im Wissen, dass kaum jemand die Chance nutzen und das Gespräch suchen wird. Auch durch nicht verschlossene Türen muss man erst mal kommen. Horst Seehofer, der noch bis tief in den August Menschen nach Afghanistan abschieben wollte, singt im Chor mit den europäischen Innenministern, die afghanischen „Ortskräfte“ (ein Wort, das in seiner doppelten Herablassung den Verrat vorwegnimmt) seien willkommen. Jetzt, da kaum mehr jemand aus dem Reich der Taliban herausfinden wird. Zynische Humanisten machen die Tür weit auf, wenn der letzte Weg verschüttet ist.

dicht

Wer sich in die Welle stürzt, sollte wissen, dass sie mitreißend sein kann. 50 Schauspieler starten eine Gemeinschaftsaktion, um die Not der Künstler in der Coronakrise zu spiegeln, so wenig trennscharf zum Lager der Querfühler, dass ihnen Maaßen und die AfD beipflichten und ein Chor an Kritikern mit Igor Levit entgegnet: „bornierter Schrumpfsarkasmus“. Gemeinschaft kann fruchtbar sein – und furchtbar. Gerade zeichneten im Kampf um Macht, Missbrauch und Rassismus am Düsseldorfer Schauspielhaus 1.400 Theaterleute einen offenen Brief, den kaum eine/r zu Ende gelesen haben dürfte – spricht er doch vom Rassismus, „der in den verlausten Ecken unserer Gesellschaft haust und darauf wartet sich auszubreiten…“. Im verständlichen Wunsch mit vielen woke zu sein, in der Sprache des „Stürmer“. Auch ohnmächtige Wut träumt manchmal hässlich von der Macht.