dicht

Wer sich in die Welle stürzt, sollte wissen, dass sie mitreißend sein kann. 50 Schauspieler starten eine Gemeinschaftsaktion, um die Not der Künstler in der Coronakrise zu spiegeln, so wenig trennscharf zum Lager der Querfühler, dass ihnen Maaßen und die AfD beipflichten und ein Chor an Kritikern mit Igor Levit entgegnet: „bornierter Schrumpfsarkasmus“. Gemeinschaft kann fruchtbar sein – und furchtbar. Gerade zeichneten im Kampf um Macht, Missbrauch und Rassismus am Düsseldorfer Schauspielhaus 1.400 Theaterleute einen offenen Brief, den kaum eine/r zu Ende gelesen haben dürfte – spricht er doch vom Rassismus, „der in den verlausten Ecken unserer Gesellschaft haust und darauf wartet sich auszubreiten…“. Im verständlichen Wunsch mit vielen woke zu sein, in der Sprache des „Stürmer“. Auch ohnmächtige Wut träumt manchmal hässlich von der Macht.

ave

ave corona, morituri te salutant – denke ich, da mich die Warnapp anfunkt, in grell brutalem Rot – ich bin dem Virus begegnet – dabei bin ich nicht mal ausgegangen. Unschuldig fühle ich mich schuldiger als es sich meine ärgsten Feinde wünschten – verletzlicher als ich selbst.

immun

Dieser Tage, da das Impfen langsam spürbar wird, drucken die Zeitungen fast demütig klingende Texte ihrer „edlen Federn“ – dankbare Berichte, bescheidene Essays, ernste Glossen – von zweckentfremdeten, zuvor nicht immer gewürdigten Schauplätzen einer unerhörten Erfahrung. Ehern Einzelkämpfende jenseits der Sechzig treten da glückhaft vor der Zeit aus einem großen Impfzentrum und suchen zu fassen, was ihnen geschehen ist, nicht ohne Reminiszenzen aufzulesen, Bilder anonymer Arbeitswelt, Szenen aus Science-Fiction, utopische Architektur, gelenkte Massen, die winzige Kreatur und das globale Virus. Als habe, was ihnen dank guter Organisation und junger Hilfskräfte zuteil wurde, das ursoziale Wesen geweckt und aus einsamen Fürsten des Geistes Leute unter Leuten gemacht, dankbar Teil einer Herde, im Arm den erlösenden Stich, weniger scharfsinnig oder empfindsam denn einfach herrlich immun.