Verteidigung der Macht

Corona macht alle Menschen gleich, heißt es immer wieder mal. Das stimmt nicht, natürlich. Schon um Infektionen auszumachen, braucht es Geld, ein Gesundheitswesen. Erwischt es den Präsidenten, läuft eine Maschine zur Gesundbetung an, zur Verteidigung der Macht. Valeszenz und Reklame. Nichts kann so fragil wirken wie das Bild von etwas Unerschütterlichem, das war schon vor dem Virus so – es spitzt die Sache nur gnadenlos zu. Wer glaubt über Covid erhaben zu sein, ringt nicht minder um Luft als der Umsichtige, die Demütige, all die Vergessenen, die kein Genesungswunsch und keine Häme trifft. Nur wenn nichts mehr hilft, werden alle gleichermaßen einsam sein.

Schmiere

– ein traurig treffendes Wort für den Beitrag des heute verurteilten Bruno D. (93-Jahre alt, im Rollstuhl) am monströsen Menschheitsverbrechen der Deutschen vor 1945. Gefängnis auf Bewährung, nach Jugendstrafrecht – ein noch in seiner Milde hartes Urteil, das den Massenmord, auch den eher „beiläufigen“, beim Namen nennt und nicht verkennt, dass da ein 17-Jähriger Wache schob und dem Höllenfeuer diente, noch kaum Höllenhund, eher -welpe. Kein Mitleid bitte! Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen… Schmiere standen nicht ganz alle Deutschen, sofern sie nicht aktiv wurden, gar proaktiv. Ein Volk passte auf, dass die Zivilisation Abschied nehmen konnte – und wusste von nichts. Natürlich, es muss elend sein, als Greis die Rechnung für all das zu bekommen – doch er hätte auch vom Wachturm herunterkommen können. So ist das Leben, die Welt oder Gott oder die Geschichte vergisst nicht, allein der Mensch will eines viel zu nahen Tages seinen Frieden, seine Nische, seine Größe haben, und sei es noch so erbärmlich.