Lieben

Der amerikanische Präsident, euphorisiert vom Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator, sagt, „er“, Kim, „liebt sein Land sehr“. Trump braucht den Superlativ für seine politische Show und Eigenwerbedauersendung. Was sollen die geschätzt hunderttausend Koreaner in Kims Umerziehungslagern denken, was fühlt jetzt Shin Dong-Hyuk, der im Camp 14, einem der härtesten Lager des Landes, aufwachsen musste? Was empfinden wir, wenn sich zwei Mächtige zusammentun, um einen Schatten zu werfen wie ein Grab, auf dem die Legende blüht und das Vergessen der Welt?

Nachtrag – von Trumps Pressekonferent berichtet der Live-blog der FAZ, fast zum Schluss: „Die in nordkoreanischen Straflagern Inhaftierten seien die großen Gewinner des heutigen Tages, so Trump. Es werde sich viel ändern.“ Bis dahin sei er Fragen nach der Menschenrechtslage ausgewichen…

Rinks

Bernd Stegemann, Dramaturg und Autor des unheimlich guten „Gespenst des Populismus“, schreibt gemeinsam mit Sahra Wagenknecht zur geplanten linken Sammlungsbewegung in der ZEIT, manifest vor flammend rotem Hintergrund. Der Text hat nichts von der Morgenröte eines Aufrufs, dafür einiges von der Dunkelheit der Reaktion. Die Hälfte seiner Kraft verwendet er auf die Verteidigung der Forderung nach Bekämpfung der Arbeitsmigration. Bald ist mehr von der AfD als von irgendeiner neuen Linken die Rede, Trotz und Scham legen sich auf die Hoffnung, und dann steht da noch, man müsse sich die Moral (gegenüber Fremden) auch leisten können. Das klingt weniger nach Brecht als nach „Charta 2017“, merkwürdig finster und menschenunfreundlich. Wer die Schwachen vor den Schwächeren beschützen will, muss von der Macht träumen.

zurück

„Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der jeder und alles wieder nach Hause zurück muss?“, fragt der Postkolonialismus-Theoretiker Achille Mbembe aus Kamerun auf einer Abendveranstaltung in Hamburg zum Thema Raubkunst. Man könne die Kunstobjekte aus der Kolonialzeit nicht isoliert von der Flucht dieser Tage aus Afrika betrachten. Ein kühner Gedanke, das gute Engagement für die Rückgabe von Raubkunst mit der weniger guten „Rückführung“ von Menschen in ihre Heimat zu verknüpfen, die Ohnmacht von einst mit der von heute. „Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der jeder und alles wieder nach Hause zurück muss?“ Wollen wir uns wirklich anmaßen zu entscheiden, wer oder was wohin gehört?