Erntedank

Natürlich hallt das Echo von Trumps Hetzkampagnen nach, wie er sie eben wieder zu den Midterms entfacht, wenn wir von Briefbomben hören, adressiert an George Soros und die Obamas und die Clintons und weitere Demokraten und den Sender CNN. „Diese feigen Aktionen sind verachtenswert und haben keinen Platz in diesem Land“, twittert der Vizepräsident. Keinen Platz? Sie sind hier gerade zuhause. Pence müsste sich nur umdrehen und seinem Präsidenten in die Augen sehen, der neulich erst George Soros als Drahtzieher in der Causa Kavanaugh denunzierte – Viktor Orban könnte nicht übler hetzen -, der CNN mantrahaft immer nur Fake News nennt und jetzt wieder Tag für Tag das „lock her up!“ seiner Fans entgegennimmt wie eine Liebeserklärung – wider Hilary Clinton. Worte werden zu Sprengsätzen, verdichten sich zu Bomben, wenn Poeten wie Bannon zu träumen beginnen und viel zu viele Leute nur geile Worte klingen hören.

pathologisch

Die noch immer nicht vollends aufgeklärten Ereignisse im saudi-arabischen Konsulat zu Istanbul klingen allemal so fürchterlich und nähren auf nicht minder fürchterliche Weise unsere Klischees von fiesen Herrschern, wildfremder Grausamkeit, pflichtbewussten Folterknechten – Halsabschneidern mit Beamtenstatus – und einem heillos verliebten Opfer, dass ein Wort wie „Knochensäge“, das zuletzt in allen Artikeln auftauchte, seine wundersame Macht entfalten kann. Wie anders wäre die Herrschaft über die eigene Phantasie zurückzuerobern? Was hätten wir dem Ungeheuerlichen entgegenzusetzen als eine von versierter Pathologenhand geführte Säge zur Zerlegung eines Menschenkörpers? Wo eine Knochensäge ist, da fallen nicht nur Späne. Dank dieses bösen Instruments, seinen argen Geräuschen, lässt sich diese Gegenwart, wenn auch unter Schmerzen, für einen Augenblick begreifen.

Es gibt sie noch

Neulich habe ich in diesem blog zurückgeblättert, um mit Schrecken zu sehen, wie viel Platz darin Donald Trump einnimmt. Aus tausend schlechten Gründen. Heute nur so viel, nachdem ich schon seinen alle Frauen verhöhnenden Angriff auf Christine Ford beim Wahlkampfauftritt in Southaven, Missisippi, nicht zum Anlass einer Ohnmacht nahm (hinter ihm der Jubel feister weißer Männer und peinlich vieler Frauen): Es gibt sie noch, die guten Amerikaner – Christine Ford oder die beiden Aktivistinnen, die Senator Flake im Fahrstuhl festsetzten, oder zig hundert Richter, die Brett Kavanaugh allein nach seinem Jammerwutauftritt im Senat beurteilen („nicht das richtige Naturell“, „Mangel an richterlichem Temperament“), oder Matt Damon und die Gruppe Comedians mit einem Reenactment jener desaströsen Senatssitzung – „I am a keg half full kind of guy“.