fremdgerecht

Die Intellektuellen und der Krieg – was am offenen Brief der friedlichen 28 in der EMMA so sehr irritiert, ist der Move, mit dem hier aus der Sorge um uns alle Kälte wird. Der Krieg verstört uns, ja, und nichts ist mehr gewiss als unsere Ohnmacht. Während andere einen schrägen Kampfgeist entwickeln, demonstrieren sie unverbrüchliche Liebe zum Frieden, als wären sie damit allein. Was trennt die 28 vom Bäcker, von der Anwältin, vom Taxler und Profi welcher Profession auch immer? Sie sind geübt ihre Wunden zu zeigen. Woher die Chuzpe „wir“ zu sagen und andere sich selbst zu überlassen? Sie pochen auf unser aller Angst. Sie verteilen Zuständigkeiten. Sie wägen das Maß legitimen Widerstands. Sie ziehen Grenzen und verlangen ein Ende – von der Ukraine. Der Selbstgerechte setzt nicht nur sich selbst ins Unrecht.

mauern

Gestern, im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt eröffnet die Sitzung des Parlaments, in der sich der Präsident der Ukraine aus dem Bunker melden wird. Sie spricht von sich im Widerstand, 1989 auf dem Alexanderplatz, 2014, als sie den Majdan besuchte, zu eitel um verbindlich zu sein. Vielleicht war sie nervös ob des historischen Moments – in ihrer Empathie klang sie seltsam unempathisch. Manch Mitgefühl berührt das Leid nicht mal, bleibt sentimental. Wolodymyr Selenskyj beschrieb dann die Mauer zwischen sich und uns – und da war sie, tatsächlich, dramatisch unsichtbar, dank einer Regierung, die sich radikalerer Solidarität verweigert, und eines Plenums, das gleich zur Tagesordnung überging. Aus deutschen Abgründen auf den moralischen Gipfel in wenigen Minuten. Bescheidenheit war nie unsere Zier.

kraft

Wenn der Russe kommt, raunten unsere Mütter, unsere Väter, um den 7-Tages-Proviant, den pseudo Bunker im Keller, das Nummernkonto in der Schweiz zu erklären. Wir lachten sie aus (und vergaßen es wieder oder zeigten sie dann an). Und jetzt kommt Putin um uns Angst zu machen. Ja, denken wir, wenn er nach zig Provokationen, mitten im Krieg, die Nachbarn aufruft Russland doch bitte zu vertrauen, „wir haben keine bösen Absichten“ – seine Bomben fallen auf die Ukraine, nach seiner Lesart uraltes Inland. Ein Nachbar zum Fürchten – nicht Peter der Große, nicht Stalin, nicht mal Zorro – das Comic-hafte „Z“ auf seinen Panzern, ein geliehener Buchstabe, der vieles heißen kann und zum Symbol der Freunde Putins wird. „In der Wahrheit liegt die Kraft“ könnte „V“ bedeuten, noch ein Zeichen auf Russlands Panzern. Schwarzes Leuchten der Propaganda, Wahrheit aus dem Bunker, nackt wie alle Macht, die mit sich selbst im Reinen ist. In der Lüge liegt die Kraft.