
Geschwister Eichman
gemeinsam mit Heinar Kipphardts „Bruder Eichmann“
Inszenierung Kathrin Mädler
Bühne und Kostüme Mareike Delaquis Porschka
Musik Cico Beck
Premiere am 14. März 2025


Kritiken:
„Schlussstrichchor“ in Nachtkritik:
„Das achtköpfige Ensemble agiert vorzüglich präzise, und das gilt auch für den zweiten Teil des Abends. Lukas Hammerstein, anknüpfend an Arendts und Kipphardts Theorie von der Banalität des Bösen, lässt in seinem Fließtext die Verdrängungs- und „Bewältigungs“-Anstrengungen im Nachkriegsdeutschland Revue passieren. Jetzt wird meist, sehr schnell, sehr flüssig, im Chor gesprochen. Hammerstein geht nicht gerade zimperlich vor… Subtil ist das nicht, aber es lässt sich wirkungsmächtig herbeten. Und so geschieht es, an diesem vermutlich notwendigen und sich heftig einbrennenden Theaterabend in Oberhausen, unweit von Solingen.“
„Der Funktionär in uns“ – Detlev Baur, Deutsche Bühne. „Ein ersschreckendes und zugleich wichtiges Doppelstück über Schuld und die Banalisierung des Bösen… Lukas Hammersteins chorischer Text dreht sich um das Wort „Wir“ und umkreist in einer Ode an die Banalität des Bösen … die Geschichte von BRD, DDR und Deutschland der Gegenwart: Was in Kipphardts „Eichmann“ ausgeführt wird, entwickelt hier das nachgeborene Volk weiter: eine selbstgerechte, (sich selbst) anlügende Verdrängung von Vergangenheit und Verantwortung.“
„Deutschlandbankett spezieller Art“ – Anke Demirsoy in der Westfälischen Rundschau: „Mädler verschränkt das dokumentarische Theaterstück mit einer frei assoziativen Wortkaskade. Dabei erweist sich die Bühne von Mareike Delaquis Porschka als genial hintersinnig, denn das Premierenpublikum, das an diesem Abend die deutsche Gesellschaft symbolisiert, kann nicht am Grabhügel vorbeisehen. Da müsste man ihm schon den Rücken zuzudrehen, was unweigerlich den Preis hätte, sich von der Gemeinschaft abzuwenden. Noch raffinierter wird es, wenn der zweite Teil des Abends sich wie das Positiv zum Negativ verhält. Die düstere Höhle weicht einem hellen Raum, statt strenger schwarz-weißer Kleidung dominiert nun Legeres in Beige. Hammersteins Text zeigt ein weit freundlicheres. weltoffeneres Deutschland, aber auch, wie manches Echo aus dem dritten Reich nachschwingt. Zwischen Sommermärchen und Schlussstrichrhetorik, Kita und Krisenmodus, Onkel „Warichnich* und Tante „Wusstichnich“ besteht das „Geschwister Eichmann“ genannte Kollektiv darauf, jetzt zu den Guten zu gehören: Da sind wir jetzt, eine ganz normale Farilie.“.
Für Klaus Stübler, Ruhr Nachrichten, liegt deer Kern des Abends in dem Satz des Sprechchors aus dem Lukas-Hammerstein-Teil: „Stell dir vor, es ist Vergangenheit und keiner hört hin… Kathrin Mädler erhebt in Oberhausen so laut ihre Stimme, dass das nicht geschieht.“
Alexander Menden in der Süddeutschen Zeitung vermisst die für den Abend großteils gestrichenen (alten, oft schiefen) Analogieszenen Kipphardts, lobt Torsten Bauer, der „als Eichmann Großes“ leistet, „indem er ohne jede falsche Dämonie die lavierende Selbstentlarvung eines befehlsgläubigen Technokraten zeigt“ und kritisiert meinen Beitrag – der zweite Teil sei „eine tonale Umstellung und bedeutet leider auch eine deutliche Verflachung des Abends“. Schade, dass gerade der Kritiker „meiner“ Süddeutschen den Text mit seinen assoziativen Sprüngen und krassen Brüchen nicht recht lesen mag.
„Eindringlich, notwendig, zeitlos aktuell“ – Dorothea Marcus im Deutschlandfunk: „spannend, wie der zweite Teil den ersten Teil des Abends spiegelt, beißend böse, zynisch grotesk… Eine Art zynischer Bestandsaufnahme deutscher Erinnerungskultur“ – lohnend nachzuhören: „Geschwister Eichmann – eine neue Interpretation“
„Sensationell“ – theatermail nrw – „Im zweiten des Abends aktualisiert Lukas Hammerstein mit seinem Text Arendts These (von der Banalität des Bösen) und zeigt ihre gesamtgesellschaftliche Relevanz…“
Dietmar Zimmermann in der Rheinischen Post: „Mit ritualisierten Schritten nähert sich eine siebenköpfige Trauergemeinde und murmelt: „Alles wird gut. Alles hat seine Zeit. Da sind wir jetzt, eine ganz nornale Familie.“ Diese Sätze bilden eine Klammer zwischen den beiden Teilen des Abends, den Kathrin Mädler am Theater Oberhausen inszeniert hat. „Alles hat seine Zeit“? Die Sätze der Trauergemeinde stammen aus dem Hammerstein-Stück, und wir werden angesichts jüngster politischer Entwicklungen aufpassen müssen, dass sich die Zeit, die da gemeint ist, nicht wiederholt…. Hammersteins rhythmisierter, fast experimentell zu nennender Text (ist) ein Fall für Sprach- Akrobaten. Bei Kipphardt wird Hannah Arendts anlässlich des Jerusalemer Prozesses aufgestellte These von der Banalität des Bösen in der Person der Titelfigur greifbar. Hammerstein aktualisiert diese These sowohl inhaltlich als auch sprachlich und zeigt ihre gesamtgesellschaftliche Relevanz. Virtuos gestaltet das Oberhausener Ensemble den Text als Partitur, spricht in der Wir-Form aus der Sicht von uns „herzensguten Leuten aus Mölln und Solingen, Hoyerswerda und Hanau“, schaut auf schnell entnazifizierte Künstler und Promis, auf Hass und Gleichmut, verordnete Betroffenheit… Das Ensemble macht den Text zum Erlebnis-Parcours. Sensationell!
Sarah Heppekausen in Theater Heute, Mai 2025 – “ «Das Böse ist nicht düster, es ist mittelhell und uns nur zu verwandt. Es wohnt mitten unter uns», schreibt Hammerstein in seinem Essay «Die Guten und das Böse» (2015). Sein Stück «Geschwister Eichmann» sprudelt diese Gedanken als Sprachgewitter heraus, mit Sprüngen, Brüchen und (Ver-)Drehungen. Gesprochen wird größtenteils im Chor, was eine größere Wucht hat. Hammerstein schreibt im Staccato an gegen ein beruhigendes Gefühl, als Gesellschaft «wieder gut gemacht» zu haben, gut geworden zu sein. So ruft an diesem Abend alles nach der Unruhe – trotz oder gerade wegen einer strukturierten Strenge. Die knallt nicht rein, hängt aber lange nach.“

Fotos (bis auf das erste in schwarz-weiß): Birgit Hupfeld
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Natur
Eine grüne Komödie
Landestheater Schwaben
aus dem Leporello des LTS: Natur (UA)
Schauspiel von Lukas Hammerstein
I: Robert Teufel, B & K: Rebekka Zimlich, D: Julia Hammerstiel
Mit: Elias Baumann, Anke Fonferek, Elisabeth Hütter, David Lau, Klaus Philipp, Franziska
Roth, Jens Schnarre, Regina Vogel
Wir leben in komplexen Zeiten. Kein Wunder also, dass sich der ausgepowerte, klimabewusste Homo sapiens zurück in die Natur sehnt. Doch was passiert, wenn er auf der Suche nach der individuellen Natur-Erfahrung feststellen muss, dass die einsamen Pfade schon ziemlich ausgetreten sind und er am Gipfelkreuz Schlange stehen muss?
Auf einer Art „Klima-Endzeit-Arche Noah“, einer einsamen Berghütte, begegnen sich der
Umweltschützer der ersten Stunde, die Bergsteigerlegende, die würdevolle Botox-Queen, die Netzaktivistin und noch andere Blender – jung und alt. Sie alle sind gekommen, um einem spektakulären Naturereignis beizuwohnen, hervorgerufen durch die Erwärmung der Erde, das Auftauen des Permafrosts und den Irrsinn der alpinen Freizeitnutzung.
Der Münchner Autor Lukas Hammerstein hat für das Landestheater Schwaben eine grüne
Komödie geschrieben. NATUR erzählt von der Allmachtsfantasie des Menschen vom
Bezwingen der Natur, von unstillbaren Naturgewalten, der Natur des Menschen aber auch
von Launen der Natur und natürlich vom düstersten Kapitel: ihrer Zerstörung. NATUR
handelt von unserer Fähigkeit unser Gewissen zu beruhigen, von Hybris im Umgang mit der Umwelt und unserer schier unstillbaren Gier nach großen Bildern, erlösenden Geschichten und dieser komischen Sehnsucht nach der einzig echten, wirklichen Natur.
Premiere: 28. Januar 2022, Großes Haus

Kritik in der Kulturwelt auf bayern2 – gegen Ende der Sendung
Kritik von Christoph Leibold in Theater der Zeit März 2022: NaturKritikTheaterderZeit
Kritik in der Augsburger Allgemeinen: …ein bitterböser Spaß, eine hochintelligente Blödelei mit herrlichen Sentenzen und Anspielungen… / … geniale Kakofonie der Katastrophe“ –
„Über allen Gipfeln ist keine Ruh“ – Gruppen-Besprechung in
Süddeutsche Zeitung vom 28. Februar

Deutsche Bühne 04/2022
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Ich habe verstanden

Monolog
Regie Alexander Frank
mit Aurel Bereuter, Uraufführung 22. September 2013
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Hausermoment

Uraufführung 2013, Staatstheater Nürnberg, Bluebox
Inszenierung Oliver D. Endreß, Bühne und Kostüme Lilith-Marie Cremer, mit Tanja Kübler und Heimo Essl
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Damals wurde es irgendwie heller
Auftragswerk, UA

Uraufführung, 2011, Staatstheater Nürnberg, Kammerspiele
Regie Kathrin Mädler, Bühne und Kostüme Frank Albert
abgedruckt in Theater Theater 23

Fischer Taschenbuch
Kontakt über S.Fischer Theater und Medien, fischertheater.de