Divers

Wunderbar ironisch in dem nun auch wieder heiter heiligen Ernst überm Parkplatz des Chase Center in Wilmington, Delaware, als erst Kamala Harris im Weiß der Suffragetten und dann Joe Biden von der Bühne sprachen, erklangen wieder und wieder Autohupen zum Applaus. Die Wagen im Dunkeln zur Bühne ausgerichtet, ein wenig wie im Animationsfilm „Cars“, dazwischen, darauf, darin feiernde, lachende, weinende Menschen, ein schräger Gesang von Erleichterung, Freude und Angst in der Pandemie, große Gefühle und tiefe Rationalität, Pomp und Pragmatismus, eine Rückkehr ins Leben auf dem Sitz eines Pick-ups.

Verteidigung der Macht

Corona macht alle Menschen gleich, heißt es immer wieder mal. Das stimmt nicht, natürlich. Schon um Infektionen auszumachen, braucht es Geld, ein Gesundheitswesen. Erwischt es den Präsidenten, läuft eine Maschine zur Gesundbetung an, zur Verteidigung der Macht. Valeszenz und Reklame. Nichts kann so fragil wirken wie das Bild von etwas Unerschütterlichem, das war schon vor dem Virus so – es spitzt die Sache nur gnadenlos zu. Wer glaubt über Covid erhaben zu sein, ringt nicht minder um Luft als der Umsichtige, die Demütige, all die Vergessenen, die kein Genesungswunsch und keine Häme trifft. Nur wenn nichts mehr hilft, werden alle gleichermaßen einsam sein.