Ohnmachtmissbrauch

Natürlich, Macht lädt zum Missbrauch ein. Erdogan führt dies Tag für Tag bis tief ins Land der deutschen Türken vor, Putin schickt grüne Männchen und gibt den europäischen Friedensstifter, Trump spricht vom Krieg gegen die Kohle. Sie lügen, weil sie es können. Gerüchte, Gefängnisse, Worte, Waffen – eine stolze Unverfrorenheit zur Verteidigung der Macht. Sogar die Ohnmacht muss mitunter herhalten – wenn Politiker sich zum Opfer stilisieren: Erdogan als dauernd Ehrverletzter, der mächtigste Mann der Welt im weißen Haus als Opfer öde demokratischer Realpolitik, der so tut, als könne er nicht, wie er wollte, dabei will er nicht, wie er kann. Sie nehmen uns die Ohnmacht, um damit die Mühlen ihrer Macht zu speisen. Klagen wir sie an – wegen Ohnmachtmissbrauchs.

Liebe sich wer kann

Sich lieben zu können ist sicher ein Geschenk. Zwischen dem, der in sich ruht, und dem, der es nicht vermag, liegen Welten. Und dann sind da noch jene, die erst beschließen müssen, sich zu mögen – mit einer Liebe wie das Pfeifen im Wald, etwas zu laut und feierlich. Ich glaubte das manchmal bei Bekannten wahrzunehmen, die eine Analyse, Jahre an Therapie hinter sich hatten – als liebten sie nun eben auch diese, bekennen sie sich zu ihren Fehlern, ja sogar Gemeinheiten. Oder als ich gerade „Zuhause“ von Daniel Schreiber las: Ein berührendes Buch über frühes Leid, Einsamkeit und Depression und die Kunst, all das zu überwinden. Nur hin und wieder hatte ich das Gefühl, ein Gefühl sei ihm etwas zu feierlich geraten, als wäre die späte Liebe des Autors zu sich selbst vom einstigen Selbsthass getragen, kühl irgendwie, als thronte da einer in sich selbst, noch immer erstaunt, so weit gekommen zu sein.

Arbeit

Ins Wochenende gehen und da die Freizeit leben war meine Sache nie. Ein Alltagsmythos, so wenig für den Freischaffenden gemacht wie Mahlzeit oder Jahresresturlaub. Freizeit heißt für mich, der ich ja nicht „arbeite“, – ohne inneren Auftrag, teilzeitleidenschaftlich und Tage einfach nur so. Ein Privileg, natürlich. Was mich nun aber echt erschüttert, ist Donald Trump, der, seit er im Amt ist, die Wochenenden auf dem Golfplatz verbringt, fern von Washington. Macht Freitagnachmittag den Potus-Laden dicht, um Montag in der Früh wieder zu öffnen. Die mächtigste Arbeit der Welt, getan wie in der AOK. Wie soll, in einer Woche von viereinhalb Tagen, America „great again“ werden?