Pendel

Ta-Nehisi Coates nennt Donald Trump „Amerikas ersten weißen Präsidenten“. Klingt paradox und beschreibt doch nur, wie sehr der noch immer arg „Neue“ im Weißen Haus auch die Antwort des lebendigen Rassismus in den USA auf Barack Obamas Präsidentschaft ist – die Rache des weißen Mannes für die Zumutung, von einem der „Anderen“ regiert worden zu sein, einem Intellektuellen zumal. Wenn Trump der erste Präsident ist, dessen gesamte politische Existenz an der Tatsache eines schwarzen Präsidenten hängt, wie Coates in „We were eight years in power“ schreibt, dann könnte Angela Merkels Nachfolger ein Bundeskanzler werden, dessen politische Existenz an der Tatsache der ersten weiblichen Regierungschefin in Deutschland hängt. Wenn ich zuletzt in das Gesicht Seehofers, Söders, Dobrindts blicke, glaube ich die Wut durchschimmern, ach was, glühen zu sehen, so lange schon von einer Frau beherrscht zu sein.

 

losgelöst

Eigentlich fällt mir zur aktuellen Vulgär-Agenda der CSU nichts mehr ein (außer allem, was dagegen in Stellung zu bringen ist). Aber dann lässt es einen natürlich nicht in Ruhe. Alles, was derzeit – fast unisono – aus München kommt, nährt die bittere Erkenntnis, dass auch schon hierzulande aus der müden „Mitte“ heraus zivilisatorische Standards zur Disposition gestellt werden: Wahrheit, Verfahren, Höflichkeit, politische Vernunft. Die Zeit der geordneten Multilateralität ist vorbei – so sagt es Markus Söder. Das ist viel mehr als die vertraute CSU-Kraftmeierei, das kynische Gebell der Hunde, die „mir“ immer schon sein wollten. Es ist der bewusste Abschied von allem Moderaten, ein Echo der AfD, nur vorauseilend, ein wüster Tanz mit Orbán, Kurz und Trump auf der Achse der Nicht-mehr-Willigen, vollkommen losgelöst von Allem, was wir einst lernen zu müssen glaubten. Da kann man gleich mit Salvini Sinti und Roma in Italien zählen gehen. Ciao, politische Kultur. 

Lieben

Der amerikanische Präsident, euphorisiert vom Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator, sagt, „er“, Kim, „liebt sein Land sehr“. Trump braucht den Superlativ für seine politische Show und Eigenwerbedauersendung. Was sollen die geschätzt hunderttausend Koreaner in Kims Umerziehungslagern denken, was fühlt jetzt Shin Dong-Hyuk, der im Camp 14, einem der härtesten Lager des Landes, aufwachsen musste? Was empfinden wir, wenn sich zwei Mächtige zusammentun, um einen Schatten zu werfen wie ein Grab, auf dem die Legende blüht und das Vergessen der Welt?

Nachtrag – von Trumps Pressekonferent berichtet der Live-blog der FAZ, fast zum Schluss: „Die in nordkoreanischen Straflagern Inhaftierten seien die großen Gewinner des heutigen Tages, so Trump. Es werde sich viel ändern.“ Bis dahin sei er Fragen nach der Menschenrechtslage ausgewichen…