Letzte Macht

Am Ende der Pressekonferenz von Trump und Putin zum grotesken halb geheimen Gipfel von Helsinki: Ein Journalist steht auf, eine Frage an beide Präsidenten, genau genommen sind es zwei, die erste nach dem russischen Hacker-Angriff auf die Wahlen in den USA, die zweite nach dem berüchtigten Kompromat gegen Trump. Man sehe sich die Szene noch einmal an – da erhebt sich jene Ohn-Macht, die wir einst „die vierte“ nannten, wider die Lüge, an die sich die Welt längst gewöhnt, unter zig Kollegen, um im dichten Nebel aus Propaganda, Chuzpe und Menschenverachtung nach der Möglichkeit einer Wahrheit zu greifen wie der Ertrinkende nach dem Treibholz. Verzweifelt entschlossen, berührend einsam, ein letztes Mal groß.

Pendel

Ta-Nehisi Coates nennt Donald Trump „Amerikas ersten weißen Präsidenten“. Klingt paradox und beschreibt doch nur, wie sehr der noch immer arg „Neue“ im Weißen Haus auch die Antwort des lebendigen Rassismus in den USA auf Barack Obamas Präsidentschaft ist – die Rache des weißen Mannes für die Zumutung, von einem der „Anderen“ regiert worden zu sein, einem Intellektuellen zumal. Wenn Trump der erste Präsident ist, dessen gesamte politische Existenz an der Tatsache eines schwarzen Präsidenten hängt, wie Coates in „We were eight years in power“ schreibt, dann könnte Angela Merkels Nachfolger ein Bundeskanzler werden, dessen politische Existenz an der Tatsache der ersten weiblichen Regierungschefin in Deutschland hängt. Wenn ich zuletzt in das Gesicht Seehofers, Söders, Dobrindts blicke, glaube ich die Wut durchschimmern, ach was, glühen zu sehen, so lange schon von einer Frau beherrscht zu sein.

 

losgelöst

Eigentlich fällt mir zur aktuellen Vulgär-Agenda der CSU nichts mehr ein (außer allem, was dagegen in Stellung zu bringen ist). Aber dann lässt es einen natürlich nicht in Ruhe. Alles, was derzeit – fast unisono – aus München kommt, nährt die bittere Erkenntnis, dass auch schon hierzulande aus der müden „Mitte“ heraus zivilisatorische Standards zur Disposition gestellt werden: Wahrheit, Verfahren, Höflichkeit, politische Vernunft. Die Zeit der geordneten Multilateralität ist vorbei – so sagt es Markus Söder. Das ist viel mehr als die vertraute CSU-Kraftmeierei, das kynische Gebell der Hunde, die „mir“ immer schon sein wollten. Es ist der bewusste Abschied von allem Moderaten, ein Echo der AfD, nur vorauseilend, ein wüster Tanz mit Orbán, Kurz und Trump auf der Achse der Nicht-mehr-Willigen, vollkommen losgelöst von Allem, was wir einst lernen zu müssen glaubten. Da kann man gleich mit Salvini Sinti und Roma in Italien zählen gehen. Ciao, politische Kultur.