Allein

Donald Trump im Weltsaal der Vereinten Nationen in New York. Ehe er sich erhebt um allen zu empfehlen, es wie er zu tun und sich selbst „first“ zu sein, ehe er dem todessüchtigen Rocketman in Pjöngjang die totale Zerstörung seines Landes androht, sitzt er auf dem beigefarbenen Stuhl mit der hohen Lehne, auf dem Podium, noch etwas abseits. Ein Bild zeigt, wie jemand kommt und ihn zum Rednerpult bittet. Noch scheint der Mächtigste in sich zu ruhen oder sich zu sammeln, Anlauf zu nehmen für das Ungeheuerliche, das er gleich tonlos in die Welt hinausbrüllen wird, seine Kriegserklärung am Weltort des Friedens (wenigstens des Ringens darum). Das ist Trump, wie wir ihn aus und seit seinem fürchterlichen Wahlkampf kennen, ja. Aber es ist auch ein Mann im Trotz abseits, die Liebe seiner Fans im Blick, im Wissen, dass er Hass auf sich ziehen wird, allein wie Christian in Vinterbergs „Festen“, der gleich seine Wahrheitsrede halten, wie der Schüler, der eine Stinkbombe ins Klassenzimmer werfen wird, wie der Amokläufer, kurz bevor er losläuft.

Käfighaltung

Im Reiche Putins steht ein Käfig, jenes kalte zugige Gehäuse, das einst Bären oder Dieben vorbehalten war, die man zur allgemeinen Belustigung oder Beschämung ausstellte. Im Zoo und in der Hühnerhaltung ist er noch in Gebrauch – und in der russischen Justiz. Kirill Serebrennikow wurde in Petersburg verhaftet, nach Moskau geschafft und in einem Käfig im Gerichtssaal vorgeführt (die Frankfurter Allgemeine bringt dazu gerade ein starkes Stück des litauischen Autors Marius Ivaškevičius – mit jenem Foto, das überall zu sehen war). Der Anlass für den Schauprozess ist absurd, der Käfig nicht minder. Beides soll genau so sein – leuchtende Zeichen für Putins lupenreine Herrschaft. Seht, wo ihr landet, wenn ihr euch frei fühlt. Alle sehen euch – in den Staub geworfen, ängstlich, jämmerlich (müde vom Vorübergehen der Stäbe wie Rilkes Panther, nur nicht so poetisch). Ein Raubtier, das die längste Zeit gefährlich war. Im Käfig seid ihr nichts als Objekt unserer Gerechtigkeit oder Gnade.

Verkehrt

Seit 1945 sucht Politik in der freien und befreiten Welt die Mehrheit – und schützt Minderheiten, wenigstens pro forma. Der Präsident der Vereinigten Staaten will transgender Menschen von der Armee auschließen. Es ist nur ein Dekret (gegen ein Dekret Obamas) – gegen einige hundert unter eineinhalb Millionen Soldaten, der zuständige Minister mag es nicht recht umsetzen – und doch ein Abschied von der freien Welt. Ein Symbol für den rechten Rand, mit dem Trump uns allen sagen will: Wir haben lang genug Bedrängte und Verfolgte beschützt, jetzt greifen wir wieder Menschen an, um politisch Stimmung zu machen, und beflügeln böse Phantasien.